über sich und seinen Werdegang

JGIch wurde 1957 im nordhessischen Korbach geboren;

Am selben Tag und am selben Ort wie der spätere Captain der Volleyball National Mannschaft, Burkhard Sude. Vielleicht wurde schon damals mein Ergeiz geweckt, in allem was ich tue nicht nur gut zu sein, sondern mein Bestes zu geben: Bei so einer Konkurrenz!

Meine ersten fünf Jahre verbrachte ich auf dem Land in dem kleinen Dorf Hillershausen im Sauerland. Ich erinnere mich noch, wie unser Röhrenradio ausgetauscht wurde. Als naives Kleinkind konnte ich mir nur vorstellen, dass das neue Radio dafür gebraucht wird um neue Musik zu spielen, denn das alte Radio funktionierte ja noch einwandfrei. Noch heute werfe ich kaum etwas weg, da ich in der Illusion lebe den Gegenstand irgendwann noch mal brauchen zu können.

Später zogen wir nach Korbach und ich konnte die “Alte Landesschule” besuchen, welches ich 1976 mit dem Abitur verließ. In diese Zeit fällt auch mein zunehmendes Interesse für reproduzierte Musik und Sport. Meine ersten Detektorempfänger baute ich mit elf Jahren und lauschte staunend den russischen Langwellensendern, die allem Anschein nach mit unheimlicher Power sendeten. Mein erster Lautsprecher war nach Aussage meines leider viel zu früh verstorbenen Bruders eine Nivea Dose, in die ich Löcher mit dem Dosenöffner meiner Mutter gestochen hatte, um einem kleinen Lautsprecher den Schallweg nach außen zu ermöglichen.

Es folgten noch viele Konstruktionen, die ich an Freunde verkaufte oder auf Rockfeten anheizte. Mit 18 Jahren musste ich so um die 500 verschiedene Paare gebaut haben. Von Bassreflex über Transmissionline und Horn war alles dabei; Und glauben Sie mir: Auch damals, Anfang der 70er, probierten wir verschiedene Kabel und Bauteile aus. State of the Art waren MP Kondensatoren und Luftspulen. Wir benutzten steife Kabel für den Bass und Litzenkabel für den Hochtöner. Wir hatten keine Ahnung, dass sich später eine Multimillionen-Zubehörindustrie daraus entwickeln würde.

Parallel trieb ich sehr viel Sport. Ich schaffte es im Tischtennis in die Kreisklasse und wurde Vereinsmeister im Florettfechten und Nordhessischer Vizemeister im Degen.

Da ich durch meine Verpflichtung beim THW UK gestellt war, konnte ich im Herbst 1976 gleich mit dem Studium der Nachrichtentechnik in Paderborn beginnen. Ich hatte dieses Studium meiner Mutter zu Liebe angefangen, um einen „anständigen“ Beruf zu erlernen. Ehrlich gesagt, hat es mir nie richtig Freude gemacht, aber die große Uni Bibliothek entschädigte mich für alles. So kam ich neben der Elektor und der Funkschau auch in den Kontakt mit Wireless World und dem Journal of the Audio Engineering Society. Da wir damals noch kein Internet hatten, verbrachte ich viele hunderte Stunden in der Bibliothek und studierte Akustik und Schaltungstechnik.

Im Anschluss wollte ich etwas handwerkliches tun und machte eine Tischlerlehre. Während der Lehre bestand ich schon die künstlerische Aufnahmeprüfung der Hochschule für bildende Künste in Kassel und konnte mir 1980 meinen Traum erfüllen und mit dem Studium des Industrial Designs mit Fachrichtung Möbeldesign beginnen. Mein BaFöG besserte ich in dieser Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter auf und hatte auch das Glück, Manfred Bade kennenzulernen.

In seinem Selbstbauladen „Speaker Selection“ hatte ich meinen ersten professionellen Job als Entwickler.

Es klingt heute etwas angeberisch, aber auf mein Konto gingen viele Innovationen. Zumindest in Deutschland gab es so etwas noch nicht.

Erster Onwall Lautsprecher „Klangbild“

Erster Isobarik Lautsprecher mit minimalem Koppelvolumen und Push-Pull Technik „Daimos“

Erster D´Appolito Lautsprecher in Europa

Erste einmal gefaltete Transmissionlinie mit dreieckigem Auslass, später wurde daraus die „PAT Triangel“

Und vieles mehr

Spannend war auch, dass dort einige später sehr erfolgreiche Persönlichkeiten ein und aus gingen, darunter waren unter Anderen

Hartmuth Janßen (Amazon Audio, Avantgarde, Audio Physic)
Bernd Theiss (Audio Physic, Audio, Connect)
Manfred Diestertich (IQ, Audio Physic, SSC)
Das kreative Potential war wirklich außergewöhnlich in dieser schönen, wenn auch sehr turbulenten Zeit.

Nach dem Studium machten Hartmuth Janßen und ich uns selbstständig. Im Frühling 1984 eröffneten wir „Avantgarde, High-Fidelity und Gegenwartskunst“ in Hannoversch Münden. Sie können sich vorstellen, dass wir eine ungewöhnliche Idee hatten. Wir verbanden eine Galerie mit Moderner Kunst und ein High End Studio, was damals revolutionär war. In diese Zeit fallen auch einige interessante Entwicklungen, die wir neben Fertigprodukten anboten. Zum Beispiel ein breitbandiger, rauscharmer Pre-Pre mit Batteriebetrieb, der das Interesse von Keith Aschenbrenner (Auditorium 23) erregte.

In diese Zeit fällt auch unsere Zusammenarbeit mit Kurt Hecker, dem heutigen Präsidenten der High End Society und den Leuten von L` Audiophile in Paris mit Jean Hiraga, Gerard Chretien und Pattric Vibeau. Wir stellten zum Beispiel die Deutsche Version des 10W Class A Verstärkers “Le Monstre” her und bauten die “Petit L`Audiophile”. Beide Produkte wurden auf der High End ausgestellt und von Audio getestet.

Ein noch viel größerer Einfluss ging von einer Zufallsbekanntschaft aus. Eines Tages erschien Götz Wilimzig in unserer Gallerie und stellte sich als Redakteur von „Das Ohr“ vor, einer damals sehr einflussreichen High End-Postille, die vom legendären Klaus Renner gegründet wurde. Klaus Renner verdanke ich meinen ersten Test der originalen Audio Physic-Tempo. Götz hatte gerade ein paar Dörfer weiter ein schönes Holzhaus gebaut und ich verbrachte, nachdem wir uns gut bekannt gemacht hatten, viele Stunden nach „Feierabend“ in seinem akustisch wirklich aussergewöhnlichen Hörraum. Der Raum war groß, mit einem schrägen Dach und ganz aus Holz. Die Lautsprecher und die Hörplätze konnten total frei aufgestellt werden, ohne Wandnähe. Götz hatte eine wirklich exquisite Anlage mit Goldmund Studio-Plattenspieler, mit Fletchers „The Arm“ und Clearaudio PSO. Vorverstärker wechselten schon mal zwischen Burmester, Accuphase etc., aber unser Liebling war ein handgebauter B-Lab Vorverstärker von Oberstudienrat und Diplomphysiker Bernward Schulte.

Vor einigen Jahren hörte ich ihn noch mal in Hartmuth Janssens Referenzkette, und ich mußte staunen, wie weit Bernward damals schon war. Verstärker und Lautsprecher waren meist aktive TMR Standard mit Omtec CA25 und CA60. Für diese Kombination hatte ich einen passiven Hochpegelfilter entwickelt, welcher Bernd Hauptmann (Musik im Raum, Wiesbaden) positiv aufgefallen war. Ein weiterer Meilenstein in meiner Entwicklung. Wie klang es? Extrem neutral und räumlich mit extrem guter Staffelung und Fokus. Hartmuth Janßen baute damals seinen ersten Amazon Plattenspieler. Es war ein Direktantrieb mit professionellem Denon Motor und spezieller Entkopplung mit gegenläufigen Federn.

1985 waren wir echt ausgepowert von den vielen Aktivitäten: HiFi-Geschäfte wärend der Woche und Vernissagen und Tonaufnahmen am Wochenende. Auch wurde uns der Standort etwas zu eng und konservativ und Harmuth und ich zogen in die Nähe von Frankfurt. Für eine kurze Zeit führten wir in Rödermark das Geschäft „Janßen und Gerhard, Audiophile Musikanlagen“.

Die Rödermark war kein guter Standort für ein High End Studio, da es eine reine „Schlafstadt“ war und die Bevölkerung in die größeren Städte zum Einkaufen und Arbeiten fuhr. Wir waren gezwungen, nach wenigen Monaten Schluss zu machen, hatten aber in der Zwischenzeit schon Audio Physic gegründet (1985) und so war immer noch genug zu tun. Da unser Konzept der Zeit weit voraus war, brauchte ich eine zweite Einkommensquelle und fand sie in der High Tech Industrie bei der Firma Elan in Büttelborn. Da ich wärend meines Studiums Technisches Zeichnen gelernt hatte und mich auch mit Elektronik auskannte, übertrug mir meine Chefin Frau Hübner den Aufbau einer Dokumentationsabteilung. Ein anspruchsvoller Job, wie sich später noch zeigen sollte. Elan stellte Netzteile für die Plasma-Sputtering Industrie her. Sputtering ist ein Vacuumprozess zur Herstellung von integrierten Schaltungen (Halbleitern im Allgemeinen, aber auch Widerständen usw.) und für die Beschichtungen z.B. von Brillengestellen, CDs und vielem mehr. Meine Aufgabe bestand darin, den ständig wechselnden Ingenieuren Schaltpläne abzuluchsen, die Geräte in Handarbeit zu zeichnen und die Funktion zu beschreiben. Das war gar nicht so einfach, da in der High Tech Industrie alles sehr schnell geht und die Spezifikationen ständig geändert werden.

Eines Tages, so um 1986 herum, war es dann soweit: Mein Chef stellte mir einen Windows Rechner auf den Tisch und sagte mit dem Brustton der Überzeugung: „In zwei Wochen sind die Schaltpläne fertig“. So kam ich wie die Jungfrau zum Kinde mit dem Computer in Berührung und es sollte eine lebenslange Liebesbeziehung werden. Da ich oft der einzige war, der alle Schaltpläne hatte, wurde ich immer mehr in die Entwicklung hinein gezogen und führte auch Reparaturen und Installationen durch. Besonders spannend waren unsere Einsätze als Troubleshooter in Reinsträumen. Wir hantierten noch in unserer Astronautenkleidung an Gas, Wasser, Luft, Wechselstrom, Gleichstrom und Mikrowelle und draußen kratzten schon die japanischen Käufer an der Tür. Da ich Ahnung von der Materia hatte, nahm mich meine Chefin auch auf Messen mit und setzte mich im Marketing ein. Am Wochenende ging es dann ins Sauerland, um Audio Physic Boxen auf dem Küchentisch zu bauen. Unsere erste „Manufaktur“ bestand zu der Zeit aus einer einigermaßen geräumigen Wohnung mit Garage, mitten in der Natur in einem kleinen Kaff im Sauerland.

Um mir noch etwas mehr zu verdienen, arbeitete ich auch als Türsteher in der legendären Disco „Lorien“. Ich habe keine Ahnung, wie ich das damals alles geschafft habe, aber wir waren jung und anspruchslos.Wir entnahmen in den ersten sechs Jahren der Audio Physic kaum Geld aus der Firma, da wir alles selbst, ohne Kredit von der Bank, finanzieren wollten. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das eine gute Entscheidung war, und ich kam anschließend in den 90er Jahren zu bescheidenem Wohlstand. 1989 war Audio Physic groß genug geworden, um ganz ins Sauerland zu ziehen. Ich gab meine Tätigkeit bei Elan mit einem weinenden Auge auf und empfinde heute noch die Gegend um Frankfurt als meine Wahlheimat.

1989 war ein wichtiges Jahr für High End Audio, da eine Software auf den Markt kam, die für immer das Gesicht der Branche ändern sollte: Es war MLSSA (gesprochen: Melissa), die Douglas Rife an einer Universität in Kanada mit seinem Professor John Vandercoy entwickelt hatte. Sie machte es erstmalig auf einfache Weise möglich, die akustische Phase von Lautsprechern zu messen und das hatte viele Konsequenzen. Die ermittelten Daten konnten in ein Simulationsprogramm übernommen werden (damals das noch zeilenbasierte Calsod) und die Box sozusagen am Bildschirm erschaffen werden. Das heute recht hohe Niveau bei der Verfärbungsfreiheit auch preiswerter Lautsprecher wäre ohne MLSSA nicht denkbar. MLSSA hatte aber einen entscheidenden Nachteil. Da die zum Messen benutzte MLS Pseudorauschsequenz keine Messung des harmonischen Klirrfaktors zuließ, wurde oft auf diese Messung verzichtet, sehr zum Nachteil des dynamischen Verhaltens. Auch wurde oft nur an einer Stelle, etwa 1m vor dem Hochtöner, gemessen und so geriet die Kunst des optimierten Rundstrahlverhaltens zunächst in Vergessenheit. Wenn ich mich daran erinnere, wie wir tagelang fasziniert vor dem Bildschirm saßen und „Wasserfall-Diagramme“ generierten, die wir visuell zu interpretieren versuchten, fällt mir ein wie leicht wir beginnen glauben, schon alles zu wissen und nur auf einen Knopf drücken zu müssen, damit alles in Ordnung ist. Mess- und Simulationstechnik hat sich in den letzten 10 Jahren so rasant wie das Internet entwickelt und wir verfügen heute über eine beeindruckende Analysetiefe. Ich bin dennoch überzeugt, dass wir wieder lernen müssen, unsere natürlichen Sinne zu gebrauchen. Das Ohr ist der finale Richter und das wird hoffentlich noch eine Weile so bleiben.

Privat kam 1991 meine Partnerin aus Frankfurt nach und 1993 wurde unser Sohn Cecil geboren. 1991 war auch kommerziell ein besonderes Jahr, da zu dieser Zeit alle ursprünglichen Partner ausgestiegen waren und ich der alleinige Geschäftsführer von Audio Physic wurde. Auch zogen wir in diesem Jahr in unsere erste eigene große Halle am Gallbergweg 50 in Brilon. Ich hatte das Glück, mit Helga Rehm eine hervorragende Prokuristin gefunden zu haben, und kurz danach stieß der unverwüstliche Klaus Wald als Vertriebsleiter zu uns. Es folgte eine außerordentlich produktive und erfolgreiche Zeit. Die einschlägigen Zeitschriften waren auf das Phänomen Audio Physic aufmerksam geworden und es war die Rede von „Magie“, „bester Lautsprecher des Universums“ usw. . Es gelangen mir eine Reihe von legendären Wandlern, die heute noch auf eBay gute Preise erziehlen. Wer kennt nicht die Avanti, die Virgo, die Tempo, die Medea, die Step usw. ?

1996 gelang mir dann endgültig der internationale Durchbruch mit einem 17 Seiten starken Bericht über die Virgo mit Homestory in der Stereophile, geschrieben vom außerordentlich einflussreichen Michael Fremer. Ich hatte zu dieser Zeit bereits meine Setup Methode entwickelt, die durch eine wissenschaftliche Arbeit zusammen mit Bernd Theiss und Professor Malkolm Hawsford von der University of Essex untermauert worden war.

Die neueste Version können Sie hier auf www.suesskindaudio.de herunterladen. Das ist typisch für meine Arbeit. Ich gehe sehr systematisch vor und untermauere meine Theorie mit praktischen Beispielen. Ich bin überzeugt, dass die meisten Hörer sechzig Prozent Klang verschenken, weil die Anlage nicht professionell aufgebaut und abgestimmt ist. Dies können Sie verhindern, indem Sie meiner Aufstellanleitung folgen.

Ihr Joachim Gerhard